Canon EOS 80D

2016 stellte Canon mit der 80D den logischen Nachfolger zur erfolgreichen 70D vor. 3 Jahre später wurde sie durch die 90D beerbt. Da ich selbst mehrere Jahre mit dieser Kamera zugebracht habe und sie nach wie vor nutze, ist es an der Zeit für ein abschließendes Resümee sowie die Beantwortung der Frage, ob man heutzutage wirklich noch das Geld für den Nachfolger in die Hand nehmen muss.

Kurzbeurteilung:

++ sehr stabiler, allwettertauglicher Kamerabody
++ ausgezeichneter Autofokus sowohl bei Fotos als auch für Videos
++ Canon-typische intuitive Bedienung
++ sehr schnelle Bedienungsgeschwindigkeit
+ gute Akkulaufzeit
+ solider 24MP APS-C Sensor
staub- und spritzwassergeschützt
100% Blickfeldabdeckung mit dem (optischen) Sucher
gutes Touch-Display
Audiokonnektivität (3,5mm Ein- und Ausgang für Mikrofon bzw. Kopfhörer)
stark verbesserte Bedienungsgeschwindigkeit
gutes Autofokussystem, auch bei Lowlight
+ natürliche Farbwiedergabe
– unter Umständen Kalibrationsbedarf beim Fokussensor für einzelne Objektive
 kein sauberes HDMI-Output-Signal
 kein stabilisierter Sensor
– für heutige Standards Dynamik und Bildqualität bei Videoaufnahmen zu niedrig
 kein 4K-Video sowie 1080p nur mit maximal 60fps
 für heutige Standards mittelmäßige Lowlight-Performance bei Fotos und schlechte bei Videos
 keine für wirkliche Grading-Maßnahmen geeignete Videodateien (auch bei All-Intra-Aufnahmen)
 HDMI-Ausgang für Videoaufnahme unbrauchbar
 Digic 6-Bildprozessor leider auch nach vier Jahren Forschung nicht für Magic Lantern zugänglich

Preis / Leistung: gut

Technische Daten:

Hersteller: Canon
Typ: DSLR (Spiegelreflex)
Wechselobjektive: ja (Canon EF- und EFS-Bajonett)
Sensor: APS-C, 24,2 MP (1,6-facher Crop)
max. iso: 25600
Display: Touch / Multitouch / schwenkbar: ja / ja / ja
Anschlüsse: Micro-USB, Mini-HDMI, Blitzschuh
Mikrofonanschluss / Kopfhöreranschluss: ja (3,5mm) / ja
Sucher: ja (optisch)
WLAN / Bluetooth / NFC: ja / nein / nein
App für Android / iOS: ja / ja
Fokus:  für Fotos Fokussensor mit 45 Kreuzsensoren; Dual Pixel AF bei Video bzw. Live-View
Video: 1920*1080 (24/25/30/50/60); (in All-Intra max. 30fps)
NTSC/PAL: ja/ja
Serienbildrate bei voller Auflösung: 7 fps (Buffer wird dabei erst spät ausgereizt)
min. Verschlusszeit (mech.) / max. Verschlusszeit / Bulb: 1/8000s / 30s / ja
Lieferumfang: Akkuladegerät, Akku, Netzkabel, USB-Kabel, Schultergurt

Allgemein:

Die 80D kam als logischer Nachfolger der 70D auf den Markt und ist auch trotz der 2019 erschienenen 90D noch eine hervorragende Fotokamera. Es wurden ein neuer Sensor sowie ein neuer Bildprozessor verbaut, die Geschwindigkeit des SD-Kartenslots angepasst, die Anzahl der Kreuzfokussensoren drastisch erhöht und die Haptik weiter verbessert. Während bei gestiegener Bildqualität die Serienbildrate mit 7fps identisch blieb, erhöhte sie sich bei 1080p-Videos von 30 auf maximal 60fps. Das ist zwar ebenfalls eine logische Steigerung, erschien aber auch aus damaliger Sicht schon als zu wenig, da als direktes Konkurrenzmodell die Sony A6300 4K-Video (sogar downgesamplet von 6K) mit maximal 30fps sowie 1080p-Video mit bis zu 120fps beherrschte – und das mit einem deutlich flexibler bearbeitbaren SLog-Farbprofil und einer Datenrate von 100mbps. Im Fotobereich geben sich die beiden Konkurrenten nicht viel, da bevorzuge ich persönlich Canon aufgrund der natürlichen Farben, der deutlich angenehmeren Bedienung sowie des stabileren Bodys an sich und der höheren Akkulaufzeit. Ich denke, auch heute darf noch von jedem getrost zur 80D gegriffen werden, der auf 4K Video und die höhere Sensorauflösung verzichten kann, auch jetzt im Jahr 2020 würde ich sie noch als solide semiprofessionelle Fotokamera bezeichnen.

Foto:

1. Auseinandersetzung mit vergleichbaren Kameras, vor allem aus dem Hause Canon:
Die Canon Eos 80D befindet sich auch 2020 noch auf Augenhöhe mit heutigen DSLRs und DSLMs mit einem APSC-Sensor. Während beispielsweise Sonys DSLMs nach wie vor einen ähnlichen Sensor verbaut haben, setzt Canon bei der 90D auf eine Auflösung von über 30MP. Dies hat aber zur Folge, dass trotz des verbesserten Bildprozessors das Rauschverhalten sowie der Dynamikumfang nahezu unverändert blieben. Durch den erweiterten Funktionsumfang, dem spürbar besseren bzw. vor allem schnelleren Autofokus, der flotten Bedienungsgeschwindigkeit sowie einer besseren Haptik setzen sich die zweistelligen Canon-DSLRs zudem spürbar von ihren dreistelligen Schwestermodellen ab (z.B. der 750D oder der neuen 800D) – wobei in den beiden erstgenannten Punkten auch bei den neueren Amateur-DSLRs von Canon deutlich nachgebessert wurde, wirklich funktionstechnisch beschnitten werden eigentlich nur noch die durch eine vierstellige Nummer (2000D) bzw. sehr niedrigen dreistelligen Nummern (z.B. 200D) gekennzeichneten Einsteiger-DSLRs. Ab der 70D, ebenso wie der 7D bewegt man sich kameratechnisch bei Canon im semiprofessionellen Bereich, da ist auch die 80D keine Ausnahme und bewährt sich in der Praxis. 
Wer allerdings auf einen Kopfhörerausgang, den Allwetterschutz und auf Spezialfunktionen wie die Fokussensorkalibrierungsmöglichkeit verzichten kann, darf sich auch getrost für eine neuere dreistellige Canon-Kamera entscheiden, die liefert nämlich qualitativ identische Resultate. Für einen leichten Aufpreis erhält man allerdings auch die neue Canon Eos M6ii, die teilt sich ihren Funktionsumfang bereits mit der 90D, bringt aber auch die typischen Vor- und Nachteile von DSLMs mit sich. Interessant als Alternative, wenn man nicht zwingend eine DSLR haben möchte (längere Akkulaufzeit, stabilerer Body) ist vor allem die Eos M50, die selbst mit Adapter von Eos-M auf Canon-EF noch günstiger daher kommt und einen interessanten Funktionsumfang bietet. Qualitativ sind die Resultate vergleichbar mit denen einer 800D und somit eigentlich auch der 80D, mit vielleicht minimal besserem Rauschverhalten aufgrund des neueren Bildprozessors, das würde ich aber schon fast vernachlässigen. Daher muss man auch hier vor allem zwischen DSLM und DSLR abwägen. Ich persönlich würde mich als Fotograf nach wie vor für die 80D entscheiden, diese liefert für mich das gelungenste Gesamtpaket zu einem vergleichsweise bezahlbaren Preis, da kommt sonst nur noch eine Sony Alpha 6400 oder eine Lumix G9 heran, für welche Kamera man sich da entscheidet, ist tatsächlich Geschmackssache (jenachdem welche Features und welches Herstellerkonzept man bevorzugt) – sofern man die Unterschiede bei den Videofeatures außer Acht lässt. Eine Anmerkung noch zur Unterscheidung der 80D zu ihren dreistelligen Geschwistern: Die Akkulaufzeit ist etwas besser, auch deckt der optische Sucher 100% des Blickfeldes ab, aus unerklärlichen Gründen belässt Canon es bei seinen Amateurkameras bei ca. 95% (Sie wollen wohl nach wie vor wie auch vor allem im Videobereich noch zu sehen ihre Profikameras von Einsteiger- und Amateurmodellen (und sogar noch einigen professionellen Modellen) unnötigerweise weiter abgrenzen…).

2. Die 80D als Fotokamera:
Für mich ist die 80D nach wie vor eine sehr solide Fotokamera, die ich auch nach wie vor gerne für kommerzielle Aufträge einsetze. Gerade bei Event- und Sportfotografie punktet sie mit einer hervorragenden Akkulaufzeit und der erstklassigen Bedienungsgeschwindigkeit. Nur bei schwierigen Lichtverhältnissen würde ich eine Vollformatkamera mit stabilisiertem Sensor bevorzugen. Mir persönlich reichen die detailreichen 24MP völlig aus, die RAW-Aufnahmen bieten einen guten Dynamikumfang und die JPEG-Aufnahmen liefern – wie man es von Canon schon lange gewohnt ist – sehr natürliche Farben. Bis iso1600 liefert die Kamera noch brauchbare Fotos, danach tritt ein sichtbares Farbrauschen auf. Ein gewisses Bildrauschen tritt tatsächlich schon bei iso400 und darüber auf, aber erst bei 1600 wird es meiner Meinung nach störend – jenachdem wofür die Fotos gedacht sind dementsprechend aber auch schon etwas früher. Der Autofokus ist sowohl über den Fokussensor als auch mit Live-View ausgezeichnet, bei Einzelbild-Aufnahmen, wie ich sie zu 99% der Zeit mache, sitzt der Fokus immer (Anmerkung dazu siehe Punkt 3), bei Serienbildaufnahmen konnte ich auch nie ein Problem feststellen, um das empirisch zu beweisen, habe ich diese Funktion der Kamera aber zu wenig verwendet. Bereits mit der 70D habe ich gerne Events fotografiert und die 80D meistert dieses Metier mit Bravour und auch bei Natur-, Tier– Sport– und Landschaftsaufnahmen findet man in der 80D einen zuverlässigen Partner. Vermissen könnte man die bisher in keiner Canon-DSLR verbauten In-Body-Image-Stabilization (IBIS), also einen stabilisierten Sensor, der bei Aufnahmen aus der Hand, gerade bei schwächerem Licht, sehr hilfreich ist, um höhere iso-Werte zu vermeiden und Bewegungsunschärfen zu reduzieren. Sowohl der optische Sucher als auch das dreh- und schwenkbare Display sind erstklassig und schränken in keinster Weise die Anwendungsflexibilität ein. Zudem vermittelt der stabile Body das Gefühl, dass man in jedem Gebiet arbeiten kann, ohne groß Rücksicht auf die Kamera nehmen müssen, was sich in der Praxis bei strömendem Regen auch bestätigt hat. Ich bin keiner, der sein Equipment achtlos durch die Gegend schmeißt oder den offenen Body in den Staub hält, um sich dann über Sensorflecken zu wundern, aber mit Samthandschuhen habe ich die 80D nie angefasst, dennoch zeigen sich keinerlei Gebrauchsspuren.

3. Anmerkung zum Autofokus:
An dieser Stelle muss ich allerdings einen Nachteil von DSLRs hervorheben, den ich bisher nur bei der 80D erlebt habe – was wohl an speziell meinem Modell liegen dürfte, aber es ist nunmal Fakt, dass das Problem auftreten kann und es ist unfassbar nervig: Da der Fokussensor von DSLRs vom eigentlichen Bildsensor losgelöst arbeitet, kann es zu einem inakkuraten Ergebnis kommen, wenn dieser nicht sauber kalibriert ist. Gerade mit den Zoomobjektiven erlebte ich häufig einen leichten Front- oder Backfokus, das bedeutet, dass das eigentliche Motiv, auf das die Kamera pfeilschnell fokussiert trotzdem nicht zu 100% scharfgestellt ist. Bei DSLMs bzw. im Live-View der 80D tritt so ein Problem nicht auf. Die erste gute Nachricht: Normalerweise haben damit auch DSLRs aufgrund des akkurat kalibrierten Fokussensors keine Probleme. Ich nutzte zuvor schon mehr als genug Canon-DSLRs (300D, 450D, 550D, 600D, 650D, 700D, 750D, 70D, 7Dii, 5Diii) und bei keiner trat bisher dieses Problem auf.
Die zweite gute Nachricht: Bei der 80D lässt sich das Problem beheben, da man kameraintern mit dem Ausdruck eines Testcharts und ein bisschen Zeit jedes Objektiv – auch Zoomobjektive – kalibrieren und die Werte einspeichern kann. Hat man das einmal erledigt, funktioniert der Autofokus nicht nur so schnell, wie schon mehrfach lobend erwähnt, sondern auch zielsicher. Nichtsdestotrotz hat es einen faden Beigeschmack, dass man bei einer 1000€-Fotokamera mit beworbenen 45-Kreuz-AF-Sensoren erstmal in mehrstündiger Kalibrationsarbeit Fokusprobleme beheben muss – Probleme, an die ich bei z.B. einer 600D mit einem einzigen Kreuzsensor noch nichtmal denken musste. Auf Garantie beheben tut Canon das übrigens nicht, der Kundensupport verwies damals auf das kamerainterne Kalibrationsfeature. Meiner Meinung nach eine Frechheit und einer der Gründe, warum ich trotz Canon-Equipment im fünfstelligen Preisbereich auf eine CPS-Mitgliedschaft verzichtet habe, diese Erfahrung soll aber dem Review keinen Abbruch tun, schließlich können die Entwickler nichts für den zweifelhaften Kundenservice.

Abschließende Worte zur Foto-Performance:
Ich verleihe der Kamera im Foto-Bereich 9/10 Punkten. Die Farben sind natürlich, die Aufnahmen detailreich und absolut zeitgemäß, der Autofokus fantastisch. Die Kamera an sich ein gelungenes Gesamtkonstrukt als stabile und zuverlässige DSLR in Reinstform. Verbesserungspotenzial sehe ich noch in der Lowlight-Performance, das Rauschverhalten bei höheren iso-Werten könnte besser sein.
Und – bei APSC-Kameras auch eher unüblich, aber es sei der Vollständigkeit halber erwähnt – manche Profis werden einen zweiten Kartenslot vermissen, in einem Nachfolger der Kamera wäre mal so langsam ein stabilisierter Sensor angebracht, bei der 2016 vorgestellten 80D darf man das aber noch nicht kritisieren.

Video:

Prolog (wen die äußeren Umstände nicht interessieren oder wer sie bereits hinreichend kennt, kann an dieser Stelle getrost zum Abschnitt „Die Canon Eos 80D als Videokamera“ springen):
DSLRs von Canonwaren seit der Einführung der 5D Mark ii und vor allem auch mit Magic Lantern für die 600D über Jahre hinweg das Non-Plus-Ultra für das Filmen mit Wechselobjektivkameras. Doch die Zeiten haben sich schon lange geändert. Während die kontinuierliche Bildaufnahme in 720p oder 1080p früher als Abfallprodukt des Live-View-Modus seitens des Kameraherstellers eher stiefmütterlich behandelt wurde und Canon 2011/2012 auch mit eigenen Flaggschiffen in den Kinokameramarkt einstieg und somit seinen Fokus im Videobereich klar auf ein anderes Metier legte, gelang es schon früh insbesondere den Herstellern Panasonic und Sony, in ihre spiegellosen Systemkameras Funktionen einzubauen, die das Interesse der damals hauptsächlich mit Canon-DSLRs filmenden Fotografen und Filmemacher weckte. Und seit der Einführung von 4K-Video in Konsumerkameras – vor allem auch in Verbindung mit Log-Profilen, stabilisierten Sensoren, höheren Bild- und Datenraten und flexibleren Codecs – hat Canon für lange Zeit völlig den Anschluss an die Marktstandards verloren und wurde von mehr und mehr Herstellern überholt. Doch ein Vorteil rettete den Hersteller noch einige Zeit weiter: Das einzige auf dem DSLR- und DSLM-Markt verfügbare zuverlässige Autofokussystem für Video – Dual Pixel AF. Diese Entwicklung aus den hauseigenen Cinema-Kameras war lange Zeit das einzige Zugeständnis an seine Fotokameras, das der Hersteller zuließ – und ein Feature, das so hilfreich war, dass sich Canon vielleicht sogar erhoffte, so seine Kunden zu erhalten. Doch wer lässt sich in hochpreisigen Fotokameras schon gerne Features vorenthalten, die man bei anderen Herstellern sogar zu (anfangs zumindest noch) günstigeren Preisen dazubekommt?
Die 80D ist der Höhepunkt dieser traurigen Entwicklung. Denn die wurde ein halbes Jahr vor der Vorstellung der erneut revolutionären Lumix GH5 vorgestellt – eine Kamera mit 4K-Video mit 60fps, stabilisiertem Sensor, Log-Profil, 180fps bei 1080p, 10bit-Farbtiefe bei Videoaufnahmen etc. etc.
Und dagegen wirken 1080p mit maximal 60fps und einem für Bearbeitungen ungeeigneten 8bit-Codec schon ziemlich armselig – zumal selbst die Sony Alpha 6300 als direkter Konkurrent zu diesem Zeitpunkt schon mit deutlich besseren Features auf dem Markt war. Spätestens an diesem Punkt bekam Sony endgültig Oberwasser, denn der Hersteller war für lange Zeit der einzige, der große Sensoren (also APS-C bzw. Vollformat) in Verbindung mit 4K-Video, Log-Profil und später auch stabilisierte Sensoren brachte.
Jetzt, vier Jahre später scheint Sony als Marktführer bei DSLMs dem gleichen Schicksal entgegen zu schreiten wie Canon Jahre zuvor. Denn während der Hersteller zunächst mit für die damalige Zeit großartigen Videofeatures aufwarten konnte und diese in den letzten Jahren noch um die Stabilisierung und einem sehr gutem Autofokus erweiterte, ist er nun viel zu lange mit maximal 30fps bei 4K sowie seinem 8bit-Codec geblieben und wurde mittlerweile von Panasonic völlig abgehängt und selbst von Fujifilm und Nikon überholt – und von Canon zu großen Teilen zumindest wieder eingeholt. Der Wettbewerb bleibt spannend, denn Fakt ist: Dort, wo ein Hersteller Wünsche offen lässt, sieht ein anderer eine unbefriedigte Nachfrage und damit eine Chance für den Zugewinn von Marktanteilen. Und derzeit ist das Rennen völlig offen. Blackmagic ist aus dem Scheitern von Magic Lantern heraus entstanden und liefert nun seit Jahren mit eigenen Kameras die jeweils zeitgemäßen Funktionen, die man sich anfangs noch vom Filmen mit Canon-DSLRs auf Dauer gewünscht hat. Und während beim Rennen um die neuen Benchmarks Panasonic mit der S1H bereits seinen Hut in den Ring geworfen hat und Canon groß die Eos R5 angekündigt und die 1DXiii auf den Markt gebracht hat, lässt Sony auf seine Antwort mit der A7siii warten. Und die nächsten Hersteller lauern…

Die Canon Eos 80D als Videokamera:
Nachdem der Kontext im Prolog mehr als deutlich wurde, könnte man meinen, dass Canon mit der 80D im Videobereich anscheinend alles falsch gemacht hat. Diese Annahme kann ich zwar nicht in aller Deutlichkeit verneinen, aber muss hinzufügen, dass sie auch diesbezüglich eine brauchbare Kamera sein kann. Ja, die stark komprimierte 1080p-Videofunktion mit maximal 60fps war damals schon veraltet und ist heute nicht mehr für kommerzielle Filmprojekte tragbar. Aber dennoch hat sie nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. Ja, die Dateien lassen keinen großen Spielraum mehr für Grading, da sonst schnell Farbabrisse und Artefakte entstehen. Aber dafür liefert Canon Farben „out of the box“, die so natürlich sind, dass man bei Projekten ohne besonderen Look problemlos diese Kamera verwenden kann. Dann ist da die Sache mit dem Autofokus. Damals war Dual Pixel AF noch ungeschlagen – und das ist schon ein nicht zu verachtendes Kriterium, da das Klischee „Profis machen immer alles manuell“ schon lange nicht mehr zeitgemäß sein ist. Rolling Shutter-Effekte sind auch deutlich geringer als beispielsweise bei einer A6300 – hier wird sichtbar, wo die Kompromisse geschlossen werden mussten, um mit einer höheren Auflösung zu filmen. Und dann sind da noch die für das Endresultat wohl eher sekundär verantwortlichen Faktoren, die aber für den Anwender selbst sehr entscheidend sein können. Das sind Dinge wie AkkulaufzeitBedienungskonzeptDisplayqualität, etc. etc und genau dort kann die 80D wieder punkten (Akkulaufzeit ist zwar begrenzter als im Fotomodus, aber dennoch sehr brauchbar).
Ja, die nicht mehr zeitgemäße Aufnahmequalität lässt sich schlecht schönreden, aber als Broadcastkamera (sofern man ein Stativ oder einen Gimbal dabei hat) ist sie äußerst tauglich – und dort passt sie auch mit ihren Audio-Featuresrein.
Für was ich sie auch bei heutigen Filmprojekten noch gerne einsetze sind Timelapses. Der Intervallaufnahmemoduserfordert ein bisschen simple Mathematik, ist aber als solches intuitiv und liefert 24MP Raw-Fotos, die sich in heutige 4K- und 6K-Filmprojekte problemlos einbinden lassen.
Als Reportagenkamera wäre sie auch noch völlig brauchbar, wenn der Sensor eine richtige Stabilisierung hätte. Von der Nutzung der integrierten elektronischen Bildstabilisation sollte man absehen, da damit die zur Verfügung stehende Videoqualität noch weiter reduziert wird.
Und nun nochmal zurück zur Videofunktion der 80D: Nicht jeder hat das Budget, um einen 4K-Workflow mit höheren Framerates, Codecs für die Postproduktion etc. aufrechtzuerhalten. Und das ist auch nicht zwingend notwendig. Ein Großteil der Leute sehen sich YouTube-Videos auf dem Handy an – und dafür ist die 80D eine perfekt geeignete Kamera. Mit ihren natürlichen Farben und dem sehr guten Fokussystem und ihrer Audiokonnektivität erfüllt sie alle Grundlagen um ohne große Umstände ein schönes Full HD-Bild zu produzieren. Ein Stativ, diese Kamera und ein „Nifty Fifty“ beispielsweise reichen völlig aus, um beneidenswerte Hintergrundunschärfen zu erzielen – Und solche Freistellungsaufnahmen sehen bei der 80D auch deutlich detailreicher aus als der „alles scharf“-Look, da sich hier die Datendichte auf das freigestellte Objekt konzentrieren kann. Einen wirklichen Unterschied sieht man da zwischen dem All-Intra Codek und der normalen Interframe-Kodierung auch nicht. Wenn man seinen Full HD-Workflow erweitern möchte, ist tatsächlich die Sony A6300 mit ihren 120fps bei 1080p als B-Cam empfehlenswert. Über den Sigma MC11-Adapter muss man zwar manuell fokussieren, aber sie kostet damit ungefähr genauso viel wie die 80D und ist eine perfekte Ergänzung zu dieser als A-Cam mit sehr gutem Autofokus. So kann man mit den richtigen Objektiven bei einem vergleichsweise geringem Budget ein sehr brauchbares Ergebnis erzielen. Und klar, vielleicht ist 1080p nicht mehr „zeitgemäß“. Aber nur weil mittlerweile technisch mehr möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass man das auch zwingend braucht. Selbst bei kommerziellen Projekten. Wenn ein Video nur in eine Website implementiert oder auf YouTube für Handynutzer zugänglich gemacht werden soll, dann ist 1080p eine völlig ausreichende Auflösung – und die 80D eine Kamera, die mit ihrem APSC-Sensor und dem Dual Pixel-AF-System dafür ausgezeichnet geeignet sein kann. Die Finger lassen würde ich aber von Farbprofilen, die „Log-ähnliches“ bewirken sollen. EosHD CLog, Cinestyle etc. etc… Ich habe die beiden Hauptrepräsentanten probiert, also ersteres sogar gekauft und letztendlich gradet man damit verzweifelt den natürlichen Look von vorher herbei – und das häufig bei mehr Rauschen als in der jeweiligen Situation notwendig. Das sind keine richtigen Log-Profile und die 8bit-Codecs der 80D sind im Gegensatz zur A6300 auch nicht dafür ausgelegt – höheres Bildrauschen („Cinestyle“), Farbabrisse und Bildartefakte („CLog“) können die Folge sein, ohne dass man objektiv betrachtet wirklich einen höheren Dynamikumfang erzielen konnte. Was hingegen möglich ist: Man kann kameraintern, Kontrast und Sättigung möglichst weit absenken, um ein noch neutraleres Profil zu erzielen und möglichst viele der tatsächlich vorhandenen Bildinformationen zu erhalten. Das lässt sich dann auch problemlos wieder im Schnitt dosiert hinzugeben, mehr ist gradingtechnisch an Möglichkeiten bei dieser Kamera einfach nicht drin.
Im Übrigen würde ich bei der iso schon mit 800 vorsichtig sein, die Kamera rauscht leider sehr schnell.

Im Videobereich verleihe ich der 80D 6 von 10 Punkten. Sie ist nicht per se schlecht, aber man merkt einfach, dass Canon die Videofunktion nicht so ernst genommen hat wie den Fotomodus. Wer die Kamera bereits besitzt, der kann sie wie soeben beschrieben auch noch zum Filmen verwenden, aber sie ist dafür auch in dieser Preisklasse absolut nicht das Non-Plus-Ultra. Wenn jemand die vielgerühmten „Canon-Farben“ (auch ein mittlerweile vergänglicher Mythos, aber dennoch bis zu einem gewissen Grad noch existent) nicht missen möchte ebensowenig wie das Bedienungskonzept des japanischen Herstellers, dem würde ich im Jahr 2020 die Eos 90D oder die M6ii ans Herz legen, da diese auch bei 4K nicht weiter in den APSC-Sensor reincropped und Dual Pixel AF auch in dieser Auflösung unterstützt. Möchte man aber mehr Dynamik, etwas bessere Lowlightperformance und flexiblere Grading-Möglichkeiten gibt es derzeit bei Canon nichts bezahlbares als die Eos R. Die Eos RP würde ich ebensowenig aufgrund der 4K-Videofunktion kaufen wie die M50.

Noch einige letzte Worte:

Auch im Jahr 2020 hat die Canon Eos 80D noch eine Daseinsberechtigung – als Fotokamera. Es gibt auch Videoworkflows, nicht nur aber insbesondere im Broadcastbereich, in die sie noch hineinpasst, aber zu diesem Zweck gibt es heute Kameras mit einer deutlich besseren Preis-Leistung und einer höheren Zukunftstauglichkeit. Für qualitativ hochwertige Timelapses habe ich damit eine robuste geländetauglicheKamera gefunden, mehr mache ich nach der Umstellung meines kompletten Hauptworkflows auf 4K damit aber im Videobereich nicht mehr. Zu Fotos habe ich genug gesagt, darum bedanke ich mich an dieser Stelle nur noch für das interessierte Lesen dieser doch sehr technischen Artikel, auch mir ist bewusst, dass ich häufig recht spät mit meinen Reviews dran bin – dafür gehen diese aber auch mehr ins Detail als es dem typischen 08/15-YouTube-Reviewer überhaupt möglich ist.